Bestattungskultur verändert sich

Veröffentlicht am 15.12.2010 in Kommunalpolitik

Karl-Otto Völker

Beitrag von Karl-Otto Völker, Fraktionsvorsitzender der SPD im Schorndorfer Gemeinderat in Schorndorf Aktuell vom November 2010

Mit Beginn des nächsten Jahres steigen in Schorndorf die Bestattungsgebühren. Das Sterben wird damit teurer. Die Gebührenerhöhung war notwendig geworden, um bei den städtischen Aufwendungen annähernd eine Kostendeckung zu erreichen. Dabei machen die Gebühren nur einen Bruchteil der Kosten aus, die bei einer würdevollen Bestattung anfallen.

Für manche Hinterbliebenen sind die Bestattungskosten kein Pappenstiel. Aus diesem und anderen Gründen erlebt die Bestattungskultur einen Wandel. Immer mehr Menschen möchten nach ihrem Tod verbrannt und entweder anonym oder unter einem Baum bestattet werden. Ungefähr die Hälfte der Bestattungen in Deutschland sind mittlerweile Urnenbestattungen, vor 15 Jahren waren es noch ein Drittel.

Die Nachfrage nach Urnenbestattungen unter Bäumen ist groß. Zum Beispiel in Villingen-Schwenningen: Dort werden nach einem Pressebericht auf den zwei Stadtfriedhöfen und in den acht Ortschaften seit fünf Jahren solche Urnenplätze angeboten. Fast 300 Urnen sind bis jetzt auf diese Weise bestattet worden.

Auf Tafeln, die rund um die Bäume aufgestellt sind, sind die Namen der Verstorbenen zu lesen. Pro Baum werden 32 Urnen begraben. Das ist auch eine Chance für den Neuen Friedhof in Schorndorf, der über einen großen Baumbestand verfügt.

Was viele an der Naturbestattung schätzen: Die Natur übernimmt die Grabpflege. Das hat auch mit der demographischen Entwicklung zu tun: Es gibt immer mehr alte Menschen und immer weniger junge Menschen – was sich auch auf die Grabpflege auswirkt. In einer globalisierten Welt sind die Kinder häufig nicht mehr am Wohnort der Eltern ansässig und können deshalb die Grabpflege nicht übernehmen.

Deshalb sinkt die Nachfrage nach traditionellen Gräbern. Friedhöfe werden in Zukunft anders aussehen als heute. Bunter und vielfältiger. Den Friedhofsbesucher der Zukunft erwarten unter anderem parkähnliche Grabanlagen neben anonymen Rasengräbern, Urnenwände neben traditionellen Familiengräbern und Urnengräber unter Bäumen neben den altbekannten Gräberreihen.

Wir müssen auf die Änderungen der Bestattungskultur reagieren. Bei der Verabschiedung der Gebührensatzung hat die Verwaltung eine Vorlage für den Gemeinderat zugesagt. Wir sind gespannt, inwieweit die Verwaltung bereit ist, neue Bestattungsformen zu ermöglichen.

Karl-Otto Völker
Fraktionsvorsitzender

 
 

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