
Frank Krämer (li.) und Nils Schmid (re.)
Der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid zu Besuch in Schorndorf. Ein Bericht vom 26.11.2010.

Der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid zu Besuch in Schorndorf. Ein Bericht vom 26.11.2010.
Kühn und elegant streckt sich das weiße Minarett aus den klaren Linien der Schorndorfer Moschee. Gerahmt im Panoramafenster des modernen Schauraums der U. Leibbrand GmbH sorgt es für den perfekten Hintergrund, für eine angenehme architektonische Symbiose zweier ambitionierter Bauwerke mit so unterschiedlichen Bestimmungen.
Beide waren sie am Freitag Ziel des Vorsitzenden der Landes-SPD, Dr. Nils Schmid. Der Einladung des Landtagskandidaten Tobias Weitmann folgend, besuchte er, begleitet auch von Oberbürgermeister Matthias Klopfer sowie Stadtrat Hans-Ulrich Schmid, zunächst den aufstrebenden mittelständischen Betrieb in der Lutherstraße.
Viel erinnert dort nicht mehr an das traditionelle Image eines Malerbetriebs. Kein Geruch nach Lösungsmitteln, keine farbbeklecksten Kittel, kein knorriger Handwerksmeister, der seinen Lehrling nach der Leiter schickt. Stattdessen präsentierte sich den Besuchern ein hochmodernes Unternehmen, das seinen Kunden von der Wärmedämmung über die Balkon-, Beton- und Bodensanierung bis hin zur Innen-Raumausstattung Leistungen anbietet, die über das klassische Geschäft des Malers weit hinausgehen.
Gekommen waren die SPD-Politiker aber vor allem, um mehr über die Ausbildungssituation junger Menschen im Betrieb zu erfahren. Frank Krämer, heutiger Geschäftsführer der U. Leibbrand GmbH, sieht die Situation für sein Unternehmen überwiegend positiv.
Durch eine gezielte Ausbildungsoffensive, Nachwuchsförderung mit Kennenlern-Aktionen schon an den Schulen und eine faire Vertragsgestaltung für Azubis und Praktikanten gäbe es genügend gute Bewerber. Vor allem den inzwischen sehr hohen Anteil an jungen Frauen hebt Krämer hervor. Bedauerlich findet er, dass viele talentierte Nachwuchskräfte für das Handwerk verloren gingen, sobald sie eine akademische Bildungslaufbahn einschlügen. Dabei gäbe es auch im Handwerksbereich genügend Karrierechancen für höher Ausgebildete.
Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Schwaben und Angestellten mit Migrationshintergrund? Nils Schmid, selbst verheiratet mit einer Frau mit türkischen Wurzeln, liegt das Thema am Herzen. Normalerweise sei das ein ganz problemloses Miteinander, so die Antwort. Allerdings habe es vereinzelt Probleme mit dem Rollenverständnis der Geschlechter gegeben. Wer aber nicht mit Frauen in Führungspositionen zurecht käme, der habe eben keine Zukunft in der Firma.
Szenenwechsel, nur einen Steinwurf und ein paar Bahngleise weiter.
Die SPD-Gäste werden in der Moschee herzlich begrüßt. Der Betraum ist gut gefüllt mit Männern in Verrichtung des Freitagsgebets. Frauen, so wird erklärt, seien freitags fast nie anwesend, da für sie dieses Gebet nicht obligatorisch sei.
Imam Hakki Gür, erst seit einigen Wochen in Deutschland aber schon mit einigen Deutschkenntnissen, lädt Nils Schmid ein, einige Worte an die Versammlung zu richten. Der Sozialdemokrat beginnt auf Türkisch, und wird dann im Folgenden von Nuri Ari, einem der Vorsitzenden der islamischen Gemeinde, übersetzt.
Islamische Gemeinden, so Schmid, seien ein ganz normaler Bestandteil der religiösen Landschaft in Deutschland. Man müsse strikt trennen zwischen den Glaubens- und Kulturgemeinschaften islamischer Mitbürger, wie es sie inzwischen fast überall im Land gibt, und ideologisch aufgeladenen Begriffen wie „Islamismus“ sowie der Furcht vor Terror mit pseudoreligiösem Hintergrund.
Viele Ängste innerhalb der Gesellschaft könnten abgebaut werden, wenn mehr Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Sozialisation stattfände, sagt Schmid und lobt die moderne Architektur der Schorndorfer Moschee, die durch eine offene Bauweise Transparenz und Einblick ermögliche. Auch dies sei ein wichtiger Schritt, um Vorbehalte abzubauen. Schließlich würden heute auch christliche Kirchenneubauten nicht mehr im gotischen Stil errichtet, und „neo-osmanische Kuppelbauten“ passten einfach nicht in die kulturelle Landschaft.
Der Islam in Deutschland müsse sich auch kulturell hier verorten. Dazu gehöre die Deutsche Sprache genauso wie, längerfristig, die Ausbildung von Imamen an theologischen Fakultäten in Deutschland. Schmid appelliert an die Anwesenden, sich neben ihrem äußerst positiven Engagement in kulturspezifischen Vereinen auch in hier etablierten Einrichtungen wie zum Beispiel der Feuerwehr einzubringen, um auch auf diese Weise ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen.
Im anschließenden Gespräch kommen dann auch die Sorgen der Schorndorfer Muslime zur Sprache. Seit mehreren Generationen in Deutschland, hier zuhause und eigentlich voll integriert sähen sich viele Menschen mit Migrationshintergrund plötzlich mit aufflammenden Anfeindungen wie denen eines Thilo Sarrazin konfrontiert. Oder sie würden in einen Topf geworfen mit fundamentalistischen Spinnern, die im Namen ihrer Religion Gräueltaten verübten. Seitens der Politik würde hier nicht entschieden genug gegengesteuert, stattdessen sogar reflexhaft mit Ab- und Ausgrenzung reagiert.
Tobias Weitmann verweist auf Ängste, die gerade auch im Bereich der christlichen Gemeinschaften zu einem Mangel an Dialogbereitschaft und damit zu Abgrenzung von muslimischen Mitbürgern führten. Wichtig wäre es, so Weitmann, auch als Glaubensgemeinschaften in einen Dialog zu treten. Das müsse nicht immer ein hoch theologischer Diskurs sein, sondern könne sich auch in gemeinsamen Veranstaltungen und Festen äußern. Das Interesse und die Bereitschaft seitens der Islamischen Gemeinde sei dafür sehr groß, versichern der Imam und die Vorstandsmitglieder.
Nach mehreren Tassen Tee muss der vielbeschäftigte Schmid weiter. Jetzt zur Gewerkschaft nach Fellbach. Man verabschiedet sich mit dem allseitigen Wunsch, das Gespräch zukünftig fortzusetzen und zu intensivieren.
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